Geschichte Ostpreußens im Überblick

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Ostpreußen

 

Ostpreußen – was ist das?

Ostpreußen ist das Gebiet zwischen der Weichsel im Westen, der Memel im Norden, der Ostsee mit dem Kurischen und dem Frischen Haff sowie der Samlandküste im Westen und der Rominter Heide im Osten.

In frühgeschichtlicher Zeit bewohnten die westbaltischen Prußen nach Stammesgebieten gegliedert dieses Land. Seit dem Hochmittelalter hieß dieses Land Preußen, bis 1772 der Name auf den größeren Gesamtstaat überging und „Altpreußen“ fortan Provinz Ostpreußen hieß.

Die regionale Geschichte lässt sich in vier Abschnitte gliedern:

Ordensstaat 1231 – 1525

Herzogtum Preußen 1525 – 1701

Königreich Preußen 1701 – 1772 (1758 bis 1762 durch Russland annektiert)

Provinz Ostpreußen 1772 – 1945

Von der Eroberung durch den Deutschen Orden im 13. Jahrhundert bis zur Flucht und Vertreibung infolge des II. Weltkrieges war es überwiegend von Deutschen besiedelt. Nach 1945 erhielt das Land eine neue Bevölkerung und gehört heute anteilig zu drei Staaten.

Landeskunde

Die Fläche Ostpreußens betrug rund 39.000 km² mit 2,6 Millionen Einwohnern(1939), 66,6 Einwohnern je km². Allein in der Hauptstadt Königsberg lebten 372.000 Einwohner (14,3 %).

Es war weitestgehend ein Agrarland, in dem es ein hohes Niveau entwickelte, so zum Beispiel in der Pferde- und Rinderzucht, Milchwirtschaft sowie im Getreideanbau.

Es wurde aktiv an der politischen und gesellschaftlichen Entwicklung Deutschlands teilgenommen, so z.B. durch den Präsidenten der Frankfurter Nationalversammlung Eduard von Simson und den liberalen Königsberger Politiker Johann Jacoby.

Durch Bestimmungen des Versailler Vertrages wurden 1919 die nordöstlichen Kreise und die Stadt Memel sowie das Gebiet um Soldau ohne Volksabstimmung abgetrennt.

Der Zweiten Weltkrieg brachte den schwersten und unglücklichsten Abschnitt für die Einwohner. Sowjetischen Armeen nahmen 1944/45 das Land ein und zerstörten es weitgehend; seine Einwohner flohen, viele kamen ums Leben, wurden verschleppt oder vertrieben, nur wenige blieben.

Während der Süden des Landes (Oberland, Masuren) leichte, sandige Böden hat, findet sich in der Landesmitte schwerer Ackerboden. In den Flußniederungen liegen Weiden und Wiesen.

Im Süden (Oberland, Masuren) bildet eine Seenplatte einen bestimmenden Teil der Landschaft. Sie sind bis zu 104 km (Mauersee) bzw. 120 km (Spirdingsee) lang und haben bis zu 58 Metern Tiefe. Kanäle verbinden die natürlichen schiffbaren Gewässer. Eine Besonderheit ist der Oberländische Kanal (erbaut: 1844/60), der einen  Höhenunterschied von 104 Metern zwischen Osterode im Oberland und Elbing durch fünf geneigte Ebenen überwinden lässt und bei Elbing in den Drausensee mündet.

Bodenschätze

Ostpreußen ist weitgehend ohne industriell bedeutende Bodenschätze. Zwei natürliche Vorkommen sind jedoch von Bedeutung: Ton und Bernstein.

Die zentralen Flüsse sind der Pregel, sein Nebenfluss Alle, die Memel im Norden und im Westen die Weichsel.

Die 220 km lange Ostseeküste wird durch das Frische und das Kurische Haff sowie die beiden Nehrungen bestimmt. Entlang der Küste reihen sich mehr als 15 teils bedeutende Badeorte:

Die bekanntesten sind Kahlberg, Cranz, Rauschen, Neukuhren, Neuhäuser, Nidden und Nimmersatt. Cranz entwickelte sich Ende des 19. Jahrhunderts zum mondänen Seebad. Nidden genießt Ruhm als Künstlerort, es war eine bekannte Malerkolonie. Max Pechstein, Karl Schmitt-Rottluff und Ernst Mollenhauer arbeiteten hier. Der Schriftsteller Thomas Mann erwarb ein Sommerhaus. In Rossitten forschte der Ornithologe Professor Thienemann in seiner berühmten Vogelwarte und es entstand ein Zentrum des Segelflugs.

Burgen

Gleich nach der Eroberung legte der Deutsche Orden Dörfer und Städte an, zuerst im Westen:

1231 Thorn, 1232 Kulm, 1233 Marienwerder, 1237 Elbing, dann weiter östlich 1240

Braunsberg, 1252 Memel, 1255 Königsberg, 1270 Frauenburg, 1279 Burg und Stadt

Marienburg.

Städte

Im Schutz von Burgen entstanden bereits im 14. Jahrhundert 97 Städte und 1400 Dörfer in diesem zuvor dünn besiedelten Land. Der Stil der Backsteingotik an Stadttoren, Rathäusern und Kirchen sowie die gegliederten Grundrisse der Städte und Dörfer weisen diese bis heute als planvoll gegründete Orte aus.

Königsberg (372.000 Einwohner)

Die Hauptstadt Ostpreußens und zugleich Hansestadt war das Zentrum des Landes. Die Übernahme des Hochmeistersitzes (1457), die Residenzübernahme auch für das Herzogtum (1525) und die Universitätsgründung (1544) durch Herzog Albrecht förderten die herausragende Stellung. Seit 1701 war Königsberg zudem Krönungsstadt der preußischen Könige. Der Handel gedieh im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts weiter. Der Ausbau von Binnen- und Außenhafen, eine gute Eisenbahnanbindung und ein leistungsfähiger Flughafen mit der ersten Nachtflugstrecke nach Moskau waren Grundlage für den Handel mit Osteuropa. Königsberg war Drehscheibe des Osthandels. Das bezeugt auch die 1920 gegründete Ostmesse.

Die Universität „Albertina“ genoss hohes Ansehen, nicht nur, weil Kant dort gelehrt hatte. Eine Handelshochschule, eine Kunstakademie, eine Kunst- und Gewerbeschule und leistungsfähige Schulen (u. a. „Collegium Fridericianum“) rundeten ein Angebot höherer Ausbildung ab.

Bedeutende Kunstsammlungen, Parks und soziale Einrichtungen machten Königsberg zu einer modernen Stadt, was eine neue, richtungsweisende Architektur unterstrich.

Gumbinnen (25.000 Einwohner) Sitz eines Regierungsbezirkes. Hier wurden 1732 die meisten ausgewiesenen Salzburger Glaubensflüchtlinge angesiedelt.

Allenstein (52.000 Einwohner) Mittelpunkt für das Ermland und Masuren. In seinem Schloß residierte zeitweilig Copernikus.

Marienwerder (21.000 Einwohner) wurde 1919 Sitz des Regierungsbezirks Westpreußen. Elbing (86.000 Einwohner) mit umfangreicher Industrie, Werften, Lkw-Bau und einer Pädagogischen Hochschule.

Memel (41.000 Einwohner) Nördlichste Hafenstadt Ostpreußens und wichtiger Ort für den Osthandel. Ihren Rang als Handelsstadt erhielt sie durch Holz- und Fischereiindustrie wie auch durch Bootsbau. Äußeres Zeichen hierfür ist die Börse.

Tilsit (54.000 Einwohner) Eisenbahnknotenpunkt und Binnenhafen, eine leistungsfähige Holz-und Zellulose-Industrie sowie ein ausgeprägter Handelsplatz.

Insterburg (49.000 Einwohner) Eisenbahnknotenpunkt im Innern Ostpreußens. War bekannt für seine Reitturniere.

Braunsberg (21.000 Einwohner) Ein bedeutender Ort im Ermland mit einer katholischen Akademie und weiteren für das Ermland wichtigen Bildungseinrichtungen. Die kleineren Städte Frauenburg und Heilsberg bestechen durch den Reiz gut erhaltener Ordensarchitektur. In Frauenburg wirkte viele Jahre Copernikus, er liegt dort am Dom begraben.

Pillau Der Außenhafen von Königsberg, welcher durch eine 40 Kilometer lange Haffrinne, dem Königsberger Seekanal, verbunden war.

Herausragende ostpreußische Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Kultur

Vom Boden Ostpreußens gingen geistige Impulse hinaus in die Welt, die die Natur- und Geisteswissenschaften, die Literatur und die bildende Kunst tief beeinflusst haben.An der Spitze der Naturwissenschaftler stehen drei Astronomen, deren Wirken bahnbrechend für alle Zukunft war. Der in Thorn geborene Nicolaus Copernicus (1473 – 1543), Domherr in Frauenburg, schuf ein neues Weltbild mit der Sonne als Mittelpunkt des Planetensystems. Der Leiter der Königsberger Sternwarte, Friedrich Wilhelm Bessel (1784 – 1846), bewies mit seinen Messungen über den Umlauf der Erde um die Sonne die Richtigkeit der Erkenntnisse des Copernicus. Ferner bestimmte er die Standorte von 75.000 Sternen. Sein Schüler Friedrich Wilhelm Argelander (1799 – 1875) legte in einem Katalog die Standorte von über 300.000 Sternen fest.

Gustav Robert Kirchhoff (1824 – 1887) erforschte das Sonnenspektrum und entdeckte die Spektralanalyse. David Hilbert (1862 – 1943) ist der Begründer der modernen Mathematik und war der Wegbereiter Einsteins.

Vier ostpreußische Naturwissenschaftler wurden mit dem Nobelpreis ausgezeichnet: Emil von Behring (1854 – 1917), Entdecker des Diphterie-Serums, der Physiker Wilhelm Wien (1864 – 1928), dessen Arbeiten eine Grundlage für die Raumfahrt schufen, und Fritz Albert Lipmann (1899 – 1986), Erforscher der Enzyme. Otto Wallach (1847 – 1931) legte die Basis für die moderne Duftstoffindustrie.

Kaum ein anderer Denker hat die abendländische Philosophie so nachhaltig beeinflusst wie Immanuel Kant (1724 – 1804). Hohe Bedeutung, kommt Johann Georg Hamann (1730 – 1788) zu, der der Theologie, der Philosophie und der Literatur seiner Zeit positive Denkanstöße gab.

Eine weitere Größe dieser Epoche war Johann Gottfried Herder (1744 – 1803), Mentor Goethes und Begründer des Volkstumsgedankens.

Literarischen Ruhm erwarben sich unter anderem E.T.A. Hoffmann (1776 – 1822), Hermann Sudermann (1857—1928), Arno Holz (1863 – 1929), Agnes Miegel (1879 – 1964), Paul Fechter (1880 – 1958) und Ernst Wiechert (1887 – 1950).

Als führende Vertreter der bildenden Kunst sind Lovis Corinth (1858 – 1925) und Käthe Kollwitz (1867 – 1945) zu nennen. Ihre Werke hatten großen Einfluss auf nachfolgende Künstlergenerationen.

Im Reiche der Musik sind die Komponisten Otto Nicolai (1810 – 1849) und Walter Kollo (1878 – 1940) zu nennen.

Verfasser: Landsmannschaft Ostpreußen e.V.