Christliches Ostpreußen

Wo wohnt denn Gott? Ist er an die kirchlich geweihten Gebäude gebunden? Gewiss ist das Haus Gottes, die Kirche des Ortes, ein wichtiger konkreter Treffpunkt der Gemeinde, aber Gott „wohnt“ doch in erster Linie in den Menschen, die ihn einlassen. Und die können sich überall versammeln. Nicht der Kirchenraum heiligt die Menschen, sondern die Gott suchenden Menschen heiligen die Kirche“, schreibt Propst Wolfram im 20. Rundbrief des Evangelisch-lutherischen Gemeindezentrums in Kaliningrad am 11.11.2001.

Unter  diesem Button hier wird dem Besucherkreis unserer Preußenseite Einblicke über die seit Jahrhunderten währende Kirchengeschichte Ostpreußens gewährt.

500 aIm Jubiläumsjahr „500 Jahre Reformation“ lassen wir uns daran erinnert, dass vor 500 Jahren Albrecht, der letzte Hochmeister des Deutschen Ordens, aus dem Ordensland Ostpreußen das Herzogtum Preußen schuf.

Lucas_Cranach_d.Ä._-_Bildnis_des_Markgrafen_Albrecht_von_Brandenburg-Ansbach_(Herzog_Anton_Ulrich-Museum).jpgMarkgraf Albrecht von Brandenburg-Ansbach
nach einem Bild von Lucas Cranach d. Ä. Foto: gemeinfrei

Am 10.12.1525 (erste preußische Landesordnung) trat die erste Kirchenordnung in Kraft. Diese war der Grundstein für die erste Evangelisch-Lutherische Landeskirche überhaupt.

In loser Folge soll hier über das christliche Zeugnis in Ostpreußen erzählt werden.

Beginnen wir über die älteste Kirche in Königsberg zu berichten, die

Steindammer Kirche St. Nikolaus

Robert Albinus beschreibt den “Steindamm“ als eine Siedlung des Deutschen Ordens, aus der sich eine Vorstadt von Altstadt (Königsberg) entwickelte. Im Deutschordensstaat wurde die Gegend des Steindamms im Jahre 1256 als erste Lischke (Siedlung) am Pregel besiedelt. Über einen aufgeschütteten Damm war sie mit dem Königsberger Schloss verbunden.

Später führte der Damm über die Steindamm-sche Brücke und durch das Steindammer Tor in die Koggenstraße, nach Norden an der Altstädtischen Richtstätte, dem späteren Heumarkt, vorbei ins Samland. Die Grundsteinlegung am späteren Steindammer Kirchenplatz erfolgte 1256.
Die vor der Altstadt Königsbergs/Pr. liegende Steindammer Kirche, ursprünglich aus Holz errichtet, war Taufkirche für die bekehrten Prußen und zugleich älteste Gemeindekirche.
Nach Christofer Hermann war die Kirche „ein gewölbter Saalbau mit Polygonalchor, Westturm und Strebefelder aus Backsteinen im aufstrebenden Mauerwerk und gotischen Verband.“ Sie hatte eine Länge von 39,2 m. Ihr Fußboden lag 0,7 m (vier Stufen) unter dem sich im Laufe der Jahrhunderte erhöhenden Strassenpflaster. Max Karl beschreibt den Chorraum: „Der in drei Jochen gewölbte Chor hatte eine Länge von 13,5 m mit einer Breite von 9,1 m und stützte sich auf drei Wandpfeiler. An den Konsolen des Chores befanden sich Fischblasenmuster.“ Die Joche waren verschieden lang (6,16 m die östlichen, 7,24 m die mittleren und 6,30 die westlichen). Michael Antoni ergänzt im „Dehio“: „Nicht alle Joche hatten die gleiche Felderanzahl, das westliche Joch besaß einer Zwölferteilung und das mittlere sandte sechzehn Rippen aus. Im Süden und Westen befanden sich Portale. Über dem Südeingang befand sich ein großes Radfenster“.

Steindammer Kirche Riss httpwww.etoretro.rupic61687.htm

Quelle: http: //www.etoretro.ru/pic61687.htm

Die Kirche stand am Ort der vor der Deutschordensburg angelegten ersten Siedlung des 13. Jahrhunderts. 1256 wird sie erstmals datiert und 1258 erstmals indirekt urkundlich durch die Nennung eines Pfarrers erwähnt. Die erste urkundliche Direkterwähnung stammt aus 1493.

1559 stürzte der Turmdachstuhl ein. Die umfangreichsten Baumaßnahmen wurden in der Zeit zwischen 1611 und 1630 durchgeführt. Dabei wurden die mittelalterlichen Bauelemente vollständig eleminiert.

1624 war dann der Kirchenbau einsturzgefährdet, weil ein Pfeiler hinter dem Altar durch die Gewölbelast verschoben wurde. Der Pfeiler wurde darauf mit Eisenankern gesichert, welche noch 1912 sichtbar waren.
1681 wurde erstmals die sogenannte Drässkammer erwähnt, welche vorher als kleiner Kapellenanbau, bzw. als Sakristei genutzt wurde.
Grundriss von St. Nikolaus nach dem Umbau mit der gekennzeichneten Drässkammer
Quelle: Max Karl, Königsberg 1909 UB/TIB Hannover DT 41991710
Bei der vollständigen Erneuerung 1752 erhielt die Kirche den Turm mit der charakteristischen „Nagelspitze“. Weitere umfangreiche Baureparaturen wurden 1841 und 1882 durchgeführt.

Steindammer Kirche Detail

Steindammer Kirche vom Steindamm um 1860 mit der typischen „Nagelspitze“, dem filigranen Kirchturm (L x B: 4,2 m x 5,4 m)

Quelle: Dr. Husen, freies Archiv

Die Steindammer Kirche St. Nikolaus war die älteste Kirche Königbergs. Einmal im Monat stand sie für einen litauischen Gottesdienst für Rekruten aus dem nördlichen Ostpreussen zur Verfügung (Andreas Kossert).
Auch nach der Neuordnung mit der Reformation um 1526 diente die Kirche inmitten der protestantischen Pfarrkirchen dem Gottesdienst für die um ihres evangelischen Glaubens willen Vertriebenen, nach Preußen eingewanderten Undeutschen (Robert Albinus), in der Mehrzahl Litauer und Polen. Aus einer Urkunde vom 14. August 1510 (Max Karl) geht hervor, das neben dem Hauptpatron St. Nikolai, noch zwei weitere Nebenaltäre vorhanden waren, welche dem Preußenapostel Adalbert und der Heiligen Gertrud gewidmet waren.
Erster polnischer Prediger wurde – lt. Fritz Gause – 1529 Johannes Wnorowius. Es wurde auch litauisch gepredigt.
Von 1587 bis 1602 wirkte Johannes Bretke als litauischer Pfarrer an der Steindammer Kirche, an der „Litauischen Kirche“. Pfarrer Johannes Bretke (auch Bretkus, Johann Bretke, litauisch: Jonas Bretkūnas) wurde 1536 in Bammeln bei Friedland (Herzogtum Preußen) als Sohn eines Prußen aus dem Stamm der Natanger geboren.

Pf. Bretke war Autor von zwölf litauischen Büchern und wirkte nebenbei als Historiker. Er ist einer der bekanntesten frühen Autoren, die in Litauisch schrieben. Nach fünfundzwanzig mühseligen Jahren in Labiau, bewarb er sich um eine Pfarrstelle in Königsberg. Hier setzte er seine Arbeit an der Bibelübersetzung und anderen wissenschaftlichen Werken fort.
Die erste – heute noch bekannte – Übersetzung der Bibel ins Litauische vollendete er am 29. November 1590; eine Veröffentlichung wurde ihm jedoch verweigert. Die Handschrift erwarb später Herzog Georg Friedrich. In seinen letzten Lebensjahren versuchte er vergeblich, die Veröffentlichung seiner Bibelübersetzung durchzusetzen.
Eines seiner bekanntesten Werke, die zweiteilige Postilla, beendete er 1591.
Pfarrer Johannes Bretke war einer der 12.000 0pfer der Stadt in der Pestzeit vom März 1601 bis November 1602.
Zur Ausstattung der Kirche gehörten ein spätgotischer Taufstein und ein Triptychon mit der Darstellung des Jüngsten Gerichtes, der Auferstehung und der ewigen Verdammnis von Anton Möller aus der Zeit vor 1587. Die Rückseite war mit einer Kreuzigungsszene versehen.
Zum besagten Anton Möller (Triptychon) sei hinzugefügt, daß er um 1563 in Königsberg geboren wurde und im Januar 1611 in Danzig verstarb. Er ließ sich – nach seiner Ausbildung in Prag, Venedig, Antwerpen und Amsterdam – ab 1587 in Danzig als Maler nieder und schuf vor allem allegorische, historische und biblische Bilder sowie Porträts. Für seine „Auferstehende“ seines Weltgericht-Altars – sein Königsberger Hauptwerk – stand ihm seine früh verstorbene Schwester Barbara Modell. Mit den machtvollen Kompositionen auf den Flügeln des Altars zeigt er sich mit seinem wilden barocken Schwung als ein Vorläufer von Peter Paul Rubens.
Caspar Stein beschreibt sehr ausführlich in „Das Alte Königsberg“ die Vielzahl von Inschriften auf Denkmälern, Gräbern, Portalen, Gittertüren, Chören und Balken. Ein Nachlesen dort sei hiermit empfohlen.
Den Chor stiftet 1630 der Königsberger Apotheker und Reiseschriftsteller Reinhold Lubenau (1556-1631). Er kehrte 1589 nach Königsberg zurück, arbeitete wieder in seinem Beruf als Apotheker und diente der Stadt als Ratsherr. In einem sechsbändigen Werk bearbeitete er seine Aufzeichnungen über seine europäischen und orientalischen Reiseerlebnisse.
Nach Max Karl („Die Steindammer Kirche zu Königsberg i. Pr.“) trug die Kirche 1912 eine Bemalung des 19. Jahrhunderts. Die Wände des Langhauses waren grünlichgelb abgetönt, die in weiß gehaltenen Gewölbekappen dagegen rötlichbraun überzogen. Die Wände des Chores zeigten eine dem natürlichen Quadermauerwerk folgende Bemalung, weiße Fugen auf grauem Grund. Die Kappenflächen der Gewölbe waren mit derselben Farbe bestrichen wie die Flächen des Langhauses.
Die Rokokokanzel von 1760 war geschmückt mit den vier Evangelisten, dem Apostel Paulus und Martin Luther.
An den Innenwänden befanden sich Grabinschriften für den ersten evangelischen Buchdrucker zu Königsberg, Johann Taubmann sowie für Johann Püls, Caspar Marquardt und den Österreicher Georg Wallow von Ritthingen.
Herbert Meinhard Mühlpfordt listet die Ausstattungen wie folgt auf:
• „Im Altaraufsatz wird das berühmte Triptychon Anton Möllers umgeben von einem strengen, von zwei korinthischen Säulen getragenen, mit Engelsköpfen und Teigornamenten verzierten Rahmenwerk. In der Krönung der Heiland. Ulbrich denkt an Michael Döbel d. Ä. als Holzschnitzer.
• Die Malereien waren nach Caspar Stein schon 1640 auf dem Altar und wurden 1670 in den neuen Rahmen eingefügt. Holz. 1670. Schicksal: Der Altar wurde 1943 in der Kirche Schönbruch ausgelagert, aber 1944 mit unbekanntem Ziel wieder abgeholt. Seitdem verschollen.
• Schlanker Kreuzheiland in edlen Verhältnissen an der Wand vor der Kanzel. Geschenk von Michael Sanden (1706). Holz. 1706. Schicksal: Unbekannt.“
Vom 16. bis 18. Jahrhundert wurde das Gotteshaus vor allem von evangelischen Polen und Litauern genutzt. Zwischen 1760 und 1762, während des Siebenjährigen Krieges, war das Gebäude eine orthodoxe Kirche.
Polen und Litauer stritten sich ständig um die Nutzung der Kirche. 1634 wurde an der Kirche auf kurfürstlichen Befehl hin eine polnische Kirchenschule eingerichtet.

SteindammerPolnischeKirche.jpg
Quelle: Dr. Husen, freies Archiv
Als Ergebnis des Siebenjährigen Krieges wurde Königsberg durch die Russen okkupiert und die Kirche 1760 durch den Archimandriten Jefrem für den griechischen Gottesdienst (russisch-orthodox) umgeweiht. (Fritz Gause: Die Geschichte der Stadt Königsberg in Preussen. 2. Band. Von der Gründung der Stadt bis zum letzten Kurfürsten, Böhlau Verlag Köln, Graz, 1965, S. 416.)
Während des missglückten napoleonischen Rußlandfeldzuges wurden 1813 französische kranke Kriegsgefangene, „Marodeure und Verbrecher“ (Herbert Meinhard Mühlpfordt: Königsberg von A bis Z, Ein Stadtlexikon, Aufstieg-Verlag, München, 1976, ISBN 3-7612-0092-7, S. 144) untergebracht und als die Kirche im Februar 1814 wieder für den orthodoxen Gottesdienst hergerichtet werden sollte, verzichteten die russischen Dienststellen darauf, da sie „die Luft für verpestet hielten“ 1874 wurden die polnischen Predigten eingestellt. (Fritz Gause: Die Geschichte der Stadt Königsberg in Preussen. 2. Band. Von der Gründung der Stadt bis zum letzten Kurfürsten Böhlau Verlag Köln, Graz, 1965, S. 416.)
Nur für die Masuren fand noch ein Gottesdienst in polnischer Sprache statt. Aber auch diese Gottesdienste hörten 1901 auf, da die Masuren sich alle sprachlich eingedeutscht hatten. Seitdem wurde in Königsberg nicht mehr polnisch gepredigt, aber die Kirche hieß weiterhin im Volksmund „Die Polnische“.
Da sich auch die polnische Gemeinde auflöste, wurde für die Steindammer Kirche 1880 eine neue Gemeinde mit einem eigenen Parochialbezirk gebildet. Es wurden Teile der Bezirke Altstadt, Löbenicht, Tragheim und Neuroßgarten zu einer neuen Gemeinde zusammengepfarrt. (Fritz Gause: Die Geschichte der Stadt Königsberg in Preussen. 2. Band. Von der Gründung der Stadt bis zum letzten Kurfürsten, Böhlau Verlag Köln, Graz, 1965, S. 416.)

An der Kirche wirkte der Reformator (Jan) Seclutianus (Sieklucki) (1498 – 1578), welcher dort erstmals das Neue Testament ins Polnische übersetzte.
1714 wird Heinrich Schoenfeldt als Oberkirchenvorsteher benannt. Zur dieser Zeit wirkte Johann Jacob Graeber als Pastor an dieser Gemeinde.
Otto Nicolai (1810 – 1849), der Komponist der Oper „Die lustigen Weiber von Windsor“ und Begründer der Wiener Philharmoniker sowie der „Wiener Philharmonischen Konzerte“, wurde in dieser Kirche getauft.
1941 war Pfarrer Martin Matz der Gemeindepfarrer; er war der letzte Seelsorger an dieser Kirche.

Steindammer Kirche Farbig.jpg
Die Steindammer Kiche in den 40-er Jahren
Quelle: Archiv

Die Kirche ist im Zweiten Weltkrieg bei der Schlacht um Königsberg zerstört worden. Infolge der Luftangriffe vom 27. und 28. August 1944 brach das Kirchendach durch Bodenerschütterung und Luftstöße. Während der Kämpfe im April 1945 brannte der Kirchenraum nach Artilleriebeschuss aus. Bereits während der Kämpfe in Königsberg/Pr. entstand der Dokumentarfilm „Sturm auf Königsberg“, bei den dort enthaltenden Filmaufnahmen war von ihr fast nichts mehr zu sehen, denn das Gewölbe der Kirche war durch die SS mit Sprengfallen „gesichert“. Drei eindringende Sowjetsoldaten hatten diese ausgelöst und sich und den Eingang dabei verschüttet. Nach 1945 erfolgte die endgültige Abtragung des Kirchenturms zwecks Verbreiterung der Fahrbahn einer der heutigen Hauptstraßen Kaliningrads, dem Leninski Prospekt. Schließlich wurde die restliche Kirchenruine in den fünfziger Jahren endgültig beseitigt.
Ein „Überbleibsel“ ist auch heute noch von dieser Kirche zu hören: Die Glocke III im Dom zu Verden.
Die Steindammer Kirche St. Nikolaus ist vernichtet aber eine ihrer Glocken hat auf dem Hamburger Glockenfriedhof überlebt. Sie läutet seit Pfingsten 1952 im Dom zu Verden in Niedersachsen.

Verden 280414.JPG
Dom zu Verden an der Aller, Ansicht vom 28.04.2014, Quelle: Ludwig Grupe
Gegossen wurde die Glocke 1714 in der Königsberger Glockengießerei A. Johannes Jacob Dornmann, nachdem ihre Vorgängerin 1713 zerbrochen war.
Die sogenannte Paten- oder Leihglocke aus der Steindammer Kirche in Königsberg gelangte am Ende des Krieges per Schiff nach Hamburg in ein Glockenlager und entging so durch glückliche Umstände dem Schicksal des Einschmelzens für Kriegszwecke.
GLOCKE III (Barock), Quelle: Christian Wietfeldt
Ton: dis, Ø 1,26 m Höhe: 1,0 m, Gewicht: ca. 1120 kg (22 Ztr. Und 40 Pfund), gegossen 1714 von Dornmann.
1952 erhielt sie ihren Platz im Geläut des Domes und wurde Pfingsten 1952 geweiht. Schrift unterhalb der ‚Bekrönung‘: „SOLI DEO GLORIA“. In der Mantelmitte: ein Wappen. Dies zeigt in der oberen Hälfte eine Krone und in der unteren ein griechisches Kreuz. Als Helmzier stehen zwischen zwei Flügeln die Krone und unter ihr das Kreuz. Zwei „wilde Männer“ mit Keulen und Lendenschurz aus Laub stützen beiderseits den Wappenschild.
Im oberen Viertel ist die Glocke mit einem breiten Blattfries geschmückt, in dessen Mitte ein schmaler Steg verläuft mit folgender Umschrift:
„LAUDATE DOMINUM IN CYMBALIS BENE SONANTIBUS PSALM CL“.
Inschrift unter dem Fries:
„H. HEINRICH SCHOENFELDT D. OBERKIRCHENVORSTEHER
H. JOHAN JACOB GRAEBER PASTOR“.
Inschrift unter dem Wappen:
„FUGIDA CHRISTICOLOS CRUX CUM DIADEMATE SIGNAT
NAM CRUCE CHRISTE TUA PARTA CORONA POLI
CHRISTIAN HELM KIRCHENVORSTEHER“.
Übersetzung: „Das Kreuz zeichnet die Christusverehrer mit leuchtender Krone. Denn Deine erworbene Krone, o Christus, sei verschönert durch das Kreuz.“
Inschrift gegenüber dem Wappen:
„HORAS DESIGNO NOCTURNAS ATQUE DIURNAS
FUNERA PLANGO IGNEM AD SUMMAQUE SACRA VOVO
RUPTA HAEC CAMPANA ANNO MDCCXIII DOMINA ULTIMA POST TRINITATIS“.
Übersetzung: „Ich bestimme die Stunden bei Nacht und bei Tage. Ich beweine die Trauerfälle, zum Feuer und zum höchsten Gottesdienst rufe ich. Zerbrochen ist die Glocke im Jahre 1713 am letzten Sonntage nach Trinitatis.“
Umschrift auf dem Schlagring:
„REFUSA ANNO MDCCXIV A. JOHANNES JACOB DORNMANN REGIMONTI“.
Übersetzung: „Wiedergegossen 1714 A. Johannes Jacob Dornmann, Königsberg“.

„Im Zweiten Weltkrieg wurde die Ablieferung von Glocken zu Kriegszwecken zur Pflicht. In Deutschland wurden 90 000 Glocken beschlagnahmt.“ (Günter Kuhn: Glocken-Geschichten unserer Heimat-Region (Kreiskalender Oder-Spree 2012 (2011), S. 20)).

„Am 15. März 1940 erließ die Regierung des Deutschen Reiches die „Anordnung zur Durchführung des Vierjahresplanes über die Erfassung von Nichteisenmetallen“. Wie im Ersten Weltkrieg wurden die Glocken nach Gießdatum eingeteilt. Die Einteilung war jetzt aber wesentlich verschärft. Die Glocken wurden in Gruppen A, B, C und D eingeteilt. In die Gruppe A kamen alle Glocken, die nach 1800 gegossen wurden waren sowie eine Reihe von Glocken aus dem 16. bis 18. Jahrhundert, Glocken der Gruppe A wurden sofort der Verhüttung zugeführt, die anderen in Sammellagern aufbewahrt, Ein solcher Lagerplatz (Glockenfriedhof) befand sich in Hamburg.“ H. Körner: Über die Glocken von Crossen an der Oder. In: Märkische Zeitung, Juni/Juli/Aug. 2009.

Beide Absätze sind entnommen: Ursula Steinke: Die Glocken der Feldsteinkirche St. Thomas in Dahmsdorf, Landkreis Oder-Spree, in Mitteilungsblatt der Landesgeschichtlichen Vereinigung für die Mark Brandenburg e. V., Heft 3/2012, S. 163.

Auszug aus dem Buch von Heinz D. Rainer Ney „Gottes Häuser in Königsberg“.